In der Vorbereitung auf die Insel – diesmal ins St. Mary’s Stadium

Testspiele auf der Insel gehören mittlerweile fast so etatmäßig zur Vorbereitung unserer Borussia wie Trainingslager am Tegernsee. Und so gastierte man in diesem Sommer nach Norwich, Glasgow, Newcastle und Leicester in jüngerer Zeit, in Southampton.

 

Während sich die Einen freuen, auch in Spielzeiten ohne europäische Teilnahme ein wenig internationale Luft schnuppern und einigen Pubs einen Besuch abstatten zu können, würden sich die Anderen bei so vielen britischen Begegnungen vielleicht wünschen, auch mal ein anderes Land ansteuern zu können. Aber erstens sieht die sportliche Leitung in England wohl die optimale Mischung aus sportlichem Anspruch und bequemer Reisemöglichkeit, und zweitens sollte man wohl froh sein, überhaupt so regelmäßig Testspiele im Ausland außerhalb der Trainingslager geboten zu bekommen – das ist mit Blick auf andere Vereine auch keine Selbstverständlichkeit.

Dieser Logik folgten rund 500 Borussen, die sich per Flugzeug, Auto oder Bus auf den Weg in die südenglische Hafenstadt machten. Der Anreise des Autors, der letztere Variante wählte, ist es geschuldet, dass an dieser Stelle keine allzu üppigen Ausführungen über die Stadt Southampton folgen können. Klar, die typisch britische Architektur sprang einem auch trotz der kurzen Besuchszeit sofort ins Auge. Auch die Historie der Stadt als wichtiger Anlaufpunkt der Schifffahrt war unübersehbar – der Hafen ist das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Stadt, und auch in der City kommt man am SeaCity Museum nicht vorbei. Das berühmteste Ereignis in dem Kontext dürfte wohl die Abfahrt der Titanic aus dem Southamptoner Hafen 1912 gewesen sein, der bekanntermaßen auch ihr letzter Hafen gewesen sein sollte.

Ob einige Gladbacher am gleichen Tisch saßen wie Leonardo DiCaprio, als er die Tickets für die Überfahrt am Anfang des Films in einer Kneipe gewonnen hat, ist nicht bekannt. Sollte es den Pub aus dem Film tatsächlich geben, wäre es wohl nicht so ganz unwahrscheinlich, da man wie üblich in nahezu jeder Lokalität irgendwelche Schwarz-Weiß-Grünen antreffen konnte. Ein paar Updates zum Geschehen aus der Sommerpause und diverse Cider später wurde der Gang zum St. Mary's Stadium angetreten.

Dieses ist wohl aufgrund des Eröffnungsjahres 2001 eine Mischung aus typisch englisch und modern: Zwar immer noch relativ nah am Spielgeschehen, aber eben nicht ganz so hautnah und eng, wie man es aus anderen traditionellen Spielstätten gewohnt ist. Das tribünenbezogene Getränkeverbot gilt natürlich aber auch hier, weshalb sich das Geschehen vor dem Spiel eher in den Katakomben als auf den Sitzplätzen abspielte.

Mit dem Einlaufen der Mannschaften startete dann das, was man wohl als klassischen Testspielsupport bezeichnen kann: Anfangs einige übliche Gesänge und Anfeuerungen, die mit zunehmender Spielzeit mehr und mehr von scherzhaften Pöbeleien gegen die rot-weißen Lads neben dem Gästeblock, längst eingemotteten Klassikern und einigen englischen Chants abgelöst wurden.

Nicht ganz so locker ließ es die Mannschaft auf dem Platz angehen, die den Kick souverän mit 3:0 gewann. Besonders schön dabei die zwei Tore von Patrick Hermann, die wohl gleichzeitig auch seine letzten Tore für Borussia gewesen zu sein scheinen. Ohne das Ganze sportlich bewerten zu wollen, spricht die emotionale Verabschiedung vom Block für sich. Sollte es nun so kommen: Lott Jonn, Patrick!