Aufregung um ein Spruchband offenbart das eigentliche Dilemma

Im letzten Satz unserer Veröffentlichung zum Protestspieltag haben wir Folgendes geschrieben: „... Als Dachorganisation der aktiven Fanszene und Mitinitiator des Borussenkodex ist es uns wichtig, dass der Protest stets gewaltfrei, kreativ und niveauvoll stattfindet.“

 

Eine Vielzahl der Fanclubs hat sich an der Aktion beteiligt. Die Banner wurden in der abgelaufenen Woche gemeinsam gemalt, entgegen der schlecht recherierten Darstellung in einer bekannten Boulevardzeitung jedoch nicht auf dem Gelände des FanHaus. Das erste Mal ist es uns gelungen, an einem Heimspiel gegen RB die Kurve zum gemeinsamen Protest gegen den Paradigmenwechsel im Fußball zu motivieren. Uns vom FPMG war es wichtig, mit dem Protest zum Ausdruck zu bringen, dass die Übernahme eines Vereines, ausschließlich getrieben mit der Absicht, dort eine Werbeplattform zu errichten, den Fußball und somit die leidenschaftliche Fankultur in eine falsche Richtung entwickelt.

Das mediale Echo auf diese Aktion fällt leider ganz anders aus, da hier gar nicht das Gesamtbild des Protestes in den Mittelpunkt der Berichterstattung gerückt wird, sondern nur einzelne Plakate in den Fokus genommen werden. Das nicht alle Plakate unserem eingangs zitierten Wunsch entsprechen werden, hatte bei der Vielzahl der mitgebrachten Plakate eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Der Grad zwischen Meinungsfreiheit und Verunglimpfung im Protest ist schmal. Dass hierbei inzwischen provokant über das Ziel hinausgeschossen wird, um überhaupt Gehör zu finden, kann man immer wieder feststellen, denn der Reflex der Empörung folgt prompt und plötzlich ist die öffentliche Aufmerksamkeit da.

Dieser Mechanismus ist das eigentlich traurige an der heutigen Zeit. Dieses Dilemma, dass Proteste ohne Überschreiten von Grenzen nicht wahrgenommen werden und mit Grenzüberschreitung empört zurückgewiesen werden, ist scheinbar unser Ostergeschenk...

Man darf gespannt sein, welche Schlagzeilen in einigen Jahren die Medienlandschaft beherrschen: „Trotz Freikartenaktion kein ausverkauftes Stadion im Spitzenduell der Bundesliga“, „Neuer TV Vertrag geplatzt - Fußball hat deutlich an Attraktivität verloren“, „Experiment gescheitert - eFan kann die traditionellen Fangesänge als Unterstützung im Abstiegskampf nicht ersetzen“.