Ein emotionaler Nachruf zum Tode von Charly Stock

Wie erst jetzt bekannt wurde, verstarb vor zwei Wochen am 22. Mai 2019 im Alter von 83 Jahren unser ehemaliger Masseur - das Wort Physiotherapeut gab es da noch gar nicht, unsere Borussia-Legende Karl-Heinz „Charly“ Stock.

 

 

Wer war dieser Mann? Vielen aus der heutigen Fan-Szene ist dieser Mensch vielleicht wenig bekannt oder gar völlig unbekannt. Soviel sei gesagt: Charly war eine Ikone, ein Faktotum, ein fester Bestandteil von Borussia Mönchengladbach. Er war von 1962 bis 2001 der Masseur der Lizenzspieler-Mannschaft,  danach der treue Traditionspfleger des Vereins, sowie der Mitbegründer der Weisweiler-Traditionself und auch bis zuletzt Ehrenrat-Mitglied des VfL. Er erlebte mit Borussia alle Auf-und Abstiege und alle Triumphe. Soviel zum „Faktencheck“.

Aber ganz besonders war Charly die gute Seele des Vereins. Wer mit Borussia in den goldenen 60er und 70er Jahren groß wurde, kennt die Bilder noch: Charly saß bei hunderten Heimspielen vor der Ost-Gegengeraden, direkt an der Mittellinie, auf seinem silbernen Alukoffer. Er rannte oft im hellblau-dunkelblauen Puma-Trainingsanzug quer über den Platz und versorgte die verletzten Fohlenspieler. Er öffnete seinen Koffer, öffnete seine Atom-Wunder-Apotheke und gab den Spielern genau das, was sie brauchten, um weiterspielen zu können. Er war der stille Held unserer Borussia-Jugend. Wir liebten Netzer für die Regie, Heynckes und Simonsen für die Tore – aber Charly Stock für seine pure Anwesenheit. Es konnte nicht viel schiefgehen, wenn er dabei war. Kein Meisterschafts-oder Pokalfoto, wo Charly nicht zu sehen war. Alle bekannten Mannschaftsfotos zeigten auch ihn mit seinem Medizin-Alukoffer am rechten oder linken Bildrand. Er saß auf den Auswechselbänken der Bundesliga irgendwo zwischen dem knurrenden Hennes Weisweiler und dem rauchenden Helmut Grashoff.

Nach unzähligen, ganz zuletzt etwas hüftsteifen „Einsatz-Sprints“ (zusammen mit unserem Ex-Doc Alfred Gerhardts), beendete er 2001 nach fast 40 Jahren die aktive Karriere und konzentrierte sich danach auf die Traditionspflege von Borussia. Er sammelte unzählige Exponate, Andenken und Details unserer Fohlen. Der gebrochene Torpfosten, die Schuhe von Netzer – alles war bei ihm jahrelang in guten Händen.  Er sammelte von fast allen Ex-Spielern die Telefonnummern und Adressen. Er dachte an so viele Geburtstage, und er lud oft ein zu Freundschaftstreffen der Ex-Spieler. Er war Vaterfigur und wahrer Freund für viele Fohlen. Welch ein unschätzbarer Wert für einen wahren Traditionsverein! Er hatte eigene Autogrammkarten und war unfreiwillig eine Kultfigur des Vereins. Man möchte meinen, Charly hat selber die Glocken am Kirchturm zur ersten Meisterfeier in Eicken geläutet, hat selber den Hannen-Alt-Doppeldeckerbus bei allen Stadtkorso-Jubelfahrten gesteuert, hat jedem Spieler das Wappen mit der von uns so geliebten Raute auf die Trikots genäht.

Charly war der wahre Nachlassverwalter der Borussia-Historie und eines der letzten Originale der goldenen Jahre der Fohlen-Ära. Er war das Gesicht der guten alten Zeit. Er war ein menschliches Herz-Ass für alle, die mit ihm zu tun hatten. Er hat verdammt viel Werte und Dinge von Borussia in die „neue Zeit“ gerettet. Sehr schön, dass er die Eröffnung der brandneuen Fohlenwelt noch miterleben durfte. Vieles in dieser tollen Ausstellung hat er beigesteuert. Charly hat Borussia geliebt und gelebt – Charly selber war Borussia und wird in den Herzen der Fans immer unvergessen bleiben. Die Raute tief im Herzen. Möge sich die Vereinsfahne aber mal ganz tief und still ehrfürchtig senken. Wir danken Dir, Fohlen-Masseur!

 

Foto: Borussia