Emotionen pur

Es liegt nun eine Woche mit unserer Borussia hinter uns, die so viel Emotionen in kürzester Zeit wie selten zuvor zu bieten hatte. Glücklicher Ausgleich in Rom, souveränes Spitzenreiter-Spiel gegen die Eintracht und nun die schmerzliche Niederlage im Pokal gegen den BVB brachten das Fanherz in ein Wechselbad von purer Freude und schmerzvollem Trübsal. Mannschaft, Fans und Trainer zeigen hierbei gemeinsam die Leidenschaft, die wir alle für unsere Borussia leben.

 

In den emotionalen Überschwang der letzten Tage mischten sich jedoch auch Bilder und Diskussionen über unsere Fankultur. Blutig geschlagene Fans, Verhaftungen und langes Ausharren beim Auslass des Stadions Olympico in Rom haben aufgerüttelt. Sind das die Erlebnisse, die wir uns bei den lange herbeigesehnten Europapokal-Nächten gewünscht haben? Mit Sicherheit nicht!


Mit ein paar Tagen Abstand und vielen internen Gesprächen und Informationsaustausche zeigt sich für uns ein differenziertes Bild der Situation in Rom. Als erstes und wichtigstes bleibt festzuhalten, dass die Vorgehensweise der Polizei völlig indiskutabel war und eine überzogene Härte hatte, die wir seit Ende der 80er Jahre nicht mehr erlebt haben. Vielleicht liegt es tatsächlich daran, dass viele Entwicklungen der letzten Jahre innerhalb Europas an uns vorbei gegangen sind, da wir nicht jedes Jahr in Europa Erfahrungen sammeln dürfen. Gerade in Italien und Spanien sind Auswärtsfans keine Gäste mit einer entsprechenden Willkommenskultur, sondern unerwünschte Störer. Da ist es egal, mit welchen Absichten man dort hinfährt. Stimmungsvolle gewaltfreie Fankultur kennen die nicht, und daher wird das auch nicht erwartet. Es kommen halt „Deutsche“ und gepaart mit Erfahrungen anderer Fanszenen, z.B. Frankfurt, wurden wir von den Sicherheitsbehörden in Rom entsprechend vorverurteilt.


Wasser auf die Mühlen dieser Vorverurteilung waren dann noch die körperlichen Auseinandersetzungen einiger Borussen inklusiver ihrer deutschen und ausländischen Freunde voran mit der Polizei in der Stadt am Nachmittag und natürlich der umfangreiche Gebrauch von Pyro. Somit suchten und fanden die „Römer“ ihre Bestätigung und das legitimierte für ihr Weltbild die Maßnahmen nach dem Spiel. Um es noch einmal klar zu sagen und auch zu trennen: Pyro und Reibereien waren nicht förderlich, gaben sie doch einen willkommenen Anlass für die völlig überzogenen und willkürlichen Maßnahmen der Polizei. Doch egal, was zuvor passiert ist, das Vorgehen ist nicht gerechtfertigt. Knapp 7.000 besonnene und friedfertige  Fans standen sowohl in der Vor- wie in der Nachspielphase über Stunden eingepfercht in strömenden Regen, wurden kollektiv schikaniert und nach dem Spiel zudem teils Opfer von radikaler Gewalt. Verhältnismäßigkeit und Rechtsstaatlichkeit gehen hier verloren. Hier muss sich auch die UEFA kritisch hinterfragen. Vermutlich wird sie ihrer Linie aber treu bleiben und sich hinter Argumentation und verfehlter Taktik der italienischen Polizei stellen.

 

Soweit so schlecht. Was bedeutet das nun für uns? Als erstes müssen wir verhindern, dass wir für die UEFA zu einem unkalkulierbaren Sicherheitsrisiko werden. Die eben zitierte Eintracht macht es gerade vor, was es bedeutet, wenn konsequent die UEFA Gästefans aussperrt. DAS will keiner von uns, oder? Daher ist es unsere gemeinsame Verantwortung, die nächsten Spiele in Europa mit unserer positiven Fankultur zu erleben. An dieser Stelle ist es wichtig zu erwähnen, dass diese Verantwortung auch für befreundete Fangruppen gilt, die uns gerne bei Auswärtsspielen in Europa unterstützen. Jeder in unserer Kurve ist die Visitenkarte für UNSERE Fanszene, egal, was er sonst für Farben trägt.

 

Borussia und Fanvertreter befinden sich derzeit in der Diskussion. Dabei werden die  Geschehnisse rund um das Spiel in Rom, aber auch das in Istanbul, aufgearbeitet. Weiterhin ist es wichtig, dass wir weiter geschlossen als Fanszene an unsere von Leidenschaft getragenen positiven Werte unsere Fankultur glauben. Wir erleben leider gerade in der Gesellschaft eine Phase der Spaltung und Abgrenzung. DAS darf unserer Fanszene NIE passieren.

 

In diesem Sinne kurz durchschnaufen und Samstag geht es mit Leidenschaft weiter in Leverkusen.