Adventskalender 2020 – Eigentörchen 15

 

 

 

Eigentörchen zum Advent

 


Eine Postkarte aus Mönchengladbach

 


Mönchengladbach hat 15 Buchstaben und wäre in der ewigen Tabelle der Bundesliga-Städtenamen mit den meisten Buchstaben unangefochten die Nummer 1, gefolgt vom 1. FC Kaiserslautern…


Aus meiner Kindheit erinnere ich mich noch an ein Streitgespräch mit meinem Sitznachbarn in der Grundschule 2. Klasse. Er behauptete nämlich, dass M’gladbach München-Gladbach heißen würde. Ich hielt es für völligen Quatsch und hatte mit einem giftgrünen Aufkleber der Borussia auf meinem Ranzen zumindest einen stichhaltigen Beweis für meine Theorie, dass es auf jeden Fall Mönchengladbach heißen muss. Damals gab es ja noch keine Fake News…


Mit der Stadtgeschichte konnte ich mich in meiner Heimat im Taunus zu der Zeit auch nicht beschäftigen. Das Internet wurde ja erst 1990, also 14 Jahre später, für alle zugänglich gemacht. Daher hat es echt viele Jahre gedauert, bis ich feststellen musste, dass mein Sitznachbar tatsächlich für einige Jahre der Stadtgeschichte recht hatte. Aber die Verwechslungsgefahr zu München brachte uns schließlich das ö in den Städtenamen.


Bevor ich 1997 aus dem Taunus an den Niederrhein gezogen bin, begegnete mir die Stadt ja nur an Spieltagen. Entsprechend hatte sie eine große Ausstrahlung und schien an allen Ecken und Enden wie Gold zu glänzen. Sogar zum Pokalsieg 1995 wurde Eicken in Grün-Weiß geschmückt, dachte ich zumindest. Nachdem ich dann dem Ruf Borussias folgend an den Niederrhein gezogen bin, kam die Ernüchterung: Eicken wurde anlässlich eines Schützenfestes geschmückt, und fast alle Einreisekarten in den fernen Ländern außerhalb der EU haben zu wenig Platz, um Moenchengladbach als Wohnort einzutragen…


Es dauerte etwas, bis ich mit der Stadt am linken Niederrhein warm geworden bin. Es verstört mich damals sehr, wie wenig Borussia innerhalb der Stadt einen Stellenwert genoss. Ja, es gab Hugo Junkers, den Flugzeugbauer und ja, im Bunten Garten gibt es eine der größten Rhododendronparks mit 600 verschiedenen Arten, aber es ist die Borussia, die diese Stadt weltberühmt gemacht hat.


Denn diese Geschichten, dass man in der Ferne auf Borussia angesprochen wird, wenn man Mönchengladbach sagt, existieren wirklich. Zum Beispiel im Rahmen einer Reise im Sommer 2007 nach Paris. Vor dem berühmten Friedhof Père Lachaise gibt es ein Blumengeschäft. Soweit nichts Ungewöhnliches. Da wir einigen der Prominenten auf diesem Friedhof die letzte Ehre erweisen wollten, vermuteten wir, dass es vielleicht eine Art Lageplan der Gräber geben könnte, und wir gingen ins Blumengeschäft hinein. Hinter der Theke stand ein knorriger Franzose, und eigentlich hatte ich schon keine Lust mehr zu fragen. Er wollte wissen, was wir wollen und wo wir herkommen. Ich sagte Mönchengladbach, und plötzlich war der Franzose freundlich und zugewandt. Er sprach von einem großen Team aus der Vergangenheit, schränkte aber ein, dass es aktuell nicht so gut läuft. Ja, wir waren gerade abgestiegen, und in meiner inneren Rührung wünschte ich mir, die Spieler rund um Tobias Levels auf der Stelle in diesen Laden, damit die mitbekommen, was Borussia immer noch für eine Bedeutung hat…


Eine weitere Anekdote ist eine Übernachtung in Madrid im Hotel Cortezo, nachdem wir gegen Sevilla in der Euro League unglücklich 0:1 verloren haben. Beim Einchecken fragte uns der Mann an der Rezeption, nachdem er in unseren Pässen als Wohnort Mönchengladbach gelesen hatte, ob wir am Vortag beim Spiel in Sevilla waren. Als wir es bejaht hatten, gab es erst mal ein Upgrade auf unsere Buchung. 


Ich denke, auch Ihr habt solche Geschichten erlebt. Das macht am Ende doch stolz, als Wohnort Mönchengladbach im Pass stehen zu haben.