„Wir wollen Marco ein Denkmal bauen“

Die kurze Stellungnahme des FPMG Supporters Club e.V. am Samstag nach dem verlorenen Derby hatte für enorme mediale Aufmerksamkeit gesorgt. Wir fragen daher den Vorsitzenden Thomas Ludwig, wie diese Meldung tatsächlich einzuordnen ist.

 

 


Weigand: Thomas, erklär uns doch bitte kurz, wie es zu dieser Meldung kam.


Ludwig: Zu normalen Zeiten wären wir ja im Stadion gewesen und hätten mit einem riesengroßen Pfeifkonzert Trainer und Mannschaft in die Kabine geschickt. Aber die Zeiten sind nun mal nicht normal, und somit war die kurze Meldung der emotionale Ausdruck der vielen tief enttäuschten Fans. Die über 2.400 „Likes“ sprechen ja auch eine deutliche Sprache.

 

  
Weigand: In den Medien wird ja seitdem kolportiert, man müsse diese ungewöhnlich harte Aussage des FPMG im Zusammenhang mit den Diskussionen um das Interesse des BVB an Marco Rose einordnen. Siehst Du das auch so?

 

Ludwig: Das verlorene Derby war der alleinige Auslöser in diesem Moment. Interessant, dass der Interpretationsspielraum der Medien zur Causa Rose auch bei solchen eindeutigen Fan-Emotionen keine Ausnahme macht.

 


Weigand: Welchen Stellenwert hat denn die Trainer-Diskussion derzeit bei den Fans? Es entsteht ja zeitweise der Eindruck, als sei die Existenz des gesamten Vereins in Gefahr.


Ludwig: Hans Meyer hat mal so schön gesagt: Im Profifußball sind irgendwie alle Passanten. Dass Marco Rose nicht bis zu seiner Rente bei unserer Borussia bleibt, ist jedem Fan klar. Der Reizpunkt an dieser Stelle ist eigentlich nicht Marco Rose, sondern Borussia Dortmund. Nur weil Dortmund, das eigentlich schon längst aus der Niebaum Ära insolvent sein müsste, immer noch mit Geld um sich werfen kann und, wenn es denn so käme, zum wiederholten Male (Herrlich, Reus) ein zartes Pflänzchen des Erfolges bei unserer Borussia wieder rausreißt.

 

Leider lässt die Pandemie aktuell keine Möglichkeit zu, direkt in Kontakt mit Marco zu treten. Daher an dieser Stelle mal ein paar Worte an Marco Rose: Marco, sehr gerne möchten wir Dir am Ende Deiner Zeit bei uns ein Denkmal bauen. Die meisten von uns haben in den letzten Jahren viele Höhen und Tiefen mit unserer Borussia durchlebt. Wir wissen es absolut zu schätzen, dass es überhaupt gelungen ist, gemeinsam eine Wegstrecke der Vereinsgeschichte mit Dir zusammen zu gehen. Wie sehr wir unsere Borussia leben und was die Leidenschaft für Borussia für uns ausmacht, können wir Dir aufgrund der Geisterspiele im Stadion gar nicht zeigen. Die Werte, die Du zum Thema Leidenschaft und Wille zum Erfolg in die Mannschaft vermittelst, treffen unseren Nerv und lassen uns träumen, dass auch unser Briefkopf irgendwann einmal geändert werden darf.


Dir entweder im persönlichen Gespräch oder in den „Stadien dieser Welt“ die besondere positive Wucht unserer Leidenschaft für Borussia und somit für Dich spüren zu lassen, ist uns ja leider aufgrund Corona vermutlich bis zum Sommer vergönnt. Somit wäre es mehr als schade, wenn Du ohne diese unbeschreiblichen Erfahrung Deinen Weg weiter gehst. Da sind wir wieder bei Hans Meyer. Marco, frage ihn mal, wie er sich vor gut acht Jahren gefühlt hat, als 10.000 Gladbacher an der „Spanischen Treppe“ in Rom seinen Namen skandiert haben, da in diesem Moment alle in voller Dankbarkeit wussten: Wir stehen heute hier, weil uns Hans Meyer 2001 aus dieser „Scheiß 2. Liga“ herausgeholt hat.



Weigand: Lass uns eine Prognose wagen: Wie geht die Saison aus Fansicht weiter?


Ludwig: Der Kampf um die Europapokal-Plätze ist dieses Jahr spannender denn je. Alle konkurrierenden Vereine sowie RBL haben nach konstanten Erfolgen unerwartete Einbrüche erlebt. Daher volle Konzentration auf die nächsten Aufgaben und die „Kneipen dieser Welt“ bekommen im Herbst wieder Konjunktur.

 


Weigand: Vielleicht abschließend noch: Lieber ein Geisterspiel in Budapest oder ein freiwilliges 0:3?


Ludwig: Für mich ist der Fußball aktuell ein Fernsehereignis und kein Stadionerlebnis. Es kommt mir mittlerweile so vor, als ob ich in meine Kindheit zurückkatapultiert wurde, in eine Zeit, in der ich aufgrund des Alters und der Möglichkeiten nicht ins Stadion konnte und Borussia am Radio oder Fernsehen verfolgen musste. Immerhin steht heute im Kühlschrank Bier und keine Saftschorle.  Daher ist in dieser fantechnisch absoluten Folterkammer das Geisterspiel in Budapest der erträglichere Schmerz.