Und jetzt, Borussia?

Nach dem beispiellosen Theater um den wahrlich unrühmlichen Abgang unseres Trainers samt seines Teams vor gut zwei Wochen erlebt unsere Borussia eine Talfahrt sondergleichen: Die erneute Qualifikation zur Champions League ist nahezu unerreichbar, ein 3:1 oder mehr in Manchester ist utopisch. Selbst die Europa League verschwindet immer mehr vom Fußball-Horizont, und seit gestern ist die DFB-Pokal-Saison 2020/21 auch Geschichte. Die Lage ist verdammt ernst. Borussia trudelt dem Mittelmaß entgegen.


Der FPMG Supporters Club e.V. hat bei der Bekanntgabe des Wechsels unseres Trainers zu diesem komischen anderen Verein kurz und heftig reagiert und dann geschwiegen. Es war allen klar: Andauernde Unruhe gefährdet die Saisonziele. Aber dafür, dass diese Saisonziele nun nicht mehr zu erreichen sind, haben mittlerweile schon andere gesorgt. Und auch wenn im Subtext bei mancher Äußerung von hochrangigen Vereinsverantwortlichen mitschwingt, dass sicherlich auch die verständnislose Reaktion der Fans für das Verpassen sportlicher Ziele heranzuziehen ist, bleibt eindeutig festzuhalten:


Seit der Unruhe um den bevorstehenden Wechsel von unserem Trainer zu einem direkten und wahrhaft unbeliebten Konkurrenten ist die Mannschaft erfolglos.


Die Verantwortung liegt beim Trainer und bei niemand anderem.


Der FPMG Supporters Club e.V. wird sich diesen Schuh auch nicht weiter anziehen. Wir sehen uns als diejenigen, die immer da sind, während Trainer und Spieler kommen und gehen. Daher ist unsere Verantwortung für den Verein größer als oftmals transportiert. Aus dieser Verantwortung heraus haben wir wie dargestellt im Sinne der zu erreichenden Ziele geschwiegen, und aus dieser Verantwortung heraus wollen wir nun nicht tatenlos zusehen, wie die rücksichtslose Karriereplanung eines überehrgeizigen Trainers mit seinem Stab unserem Verein für den Rest der Saison schadet.


Die Bilder nach dem Spiel sprachen doch Bände und lassen unser Schweigen einfach nicht mehr zu: Unser derzeitiger Taktiktrainer lag sichtbar nicht gerade schlecht gelaunt seinem alten Spezi aus Salzburger Tagen, dem Stürmer des soeben siegreichen Gegners, in den Armen. Als sich die Protestwelle im Netz ihren Weg bahnte, ruderte er ganz professionell via Twitter-Statement zurück: Das sei „naiv, emotional und unbedacht“ gewesen. Aber das ist doch nicht wahr! Es war absolut authentisch! Was wird für ihn wohl in diesem Moment wichtiger gewesen sein? Das Ausscheiden aus dem Pokal eines Vereins, mit dem er ab dem Sommer eh nicht mehr verbunden ist, und bei dem sich so viele eigenartige Fans eine eigene Meinung erlauben, sogar in manchen Fällen eine kritische? Das kennt man in Salzburg so ja gar nicht! Oder war es das Wiedersehen mit einem alten Kumpel, der eine bemerkenswerte Karriere anstrebt? Eigentlich ja so wie man selbst! Ja, da dürfte ihm besagter Stürmer deutlich näherstehen als dieser komisch emotionalisierte Traditionsverein! Das Foto war nicht naiv, emotional und unbedacht – es war eines der aussagekräftigsten Statements des gestrigen Abends!


Für den FPMG Supporters Club e.V. ist es unerträglich, diesem Schauspiel weiter zuzusehen. Uns ist die Sinnhaftigkeit der Fortsetzung eines offensichtlich gescheiterten Projektes auch nicht wirklich bewusst. Wir bevorzugen in diesem Kontext lieber ein konsequentes Ende als ein weiteres Dahindümpeln Richtung untere Tabellenhälfte. Wir machen uns Sorgen um unseren Verein, dem wir bereits in drei Jahren Zweiter Liga die Treue hielten, den wir am Leben erhielten, damals in einer symbolträchtigen Aussage „Wir sind Borussia“ in der ersten Abstiegssaison im Münchner Olympiastadion. Als der Verein finanziell am Boden lag, bildeten wir die einzige Kontinuität. Aus Sorge davor, dass wir uns durch die Abhängigkeit von einem einzelnen Trainer samt seinem Team wieder zurückentwickeln könnten, mahnen wir, dass es nicht nur den „alternativlosen Weg der weiteren Zusammenarbeit“ gibt, sondern wie fast immer im Leben, stets auch eine Alternative bedenkenswert ist.


Bedenklich empfinden wir zudem die Entwicklung, dass es rund um das Spiel wiederholt dazu gekommen ist, dass der BORUSSIA-PARK von mehreren bewaffneten Polizisten der Hundertschaften inklusive Pferdestaffelei zu einer bewachten Festung umfunktioniert wurde. Borussias große und vielschichtige Anhängerschaft hat sich in der gesamten pandemischen Ausnahmesituation tadellos gezeigt. Es gab nicht einmal Aufmärsche, unkontrollierte Versammlungen oder Menschenmassen rund ums Stadion. Selbst bei der Bekanntgabe des Trainerwechsels wurde ein (!) Plakat aufgehängt, mehr nicht. Ein solch völlig übertriebener Einsatz, ohne Anlass und konkreten Bezug, gibt ein ganz schlechtes Bild auf den sonst so offenen und fairen Familien- und Mitgliederverein ab. Man spürt förmlich, dass man merkt, dass etwas schiefläuft, es aber bloß niemand aussprechen darf. Auch hier darf keine langjährige Entwicklung zurückgedreht werden: Borussia steht für Offenheit, Dialog, Austausch und nicht für Abschottung, Abschreckung, Einkasernierung.


Unsere Borussia ist insgesamt einfach mehr als ein Passant auf der Trainerbank – WIR alle sind Borussia! Alle diejenigen, die diesem Verein gegenüber echte Loyalität hervorbringen und ihn nicht als Karrieresprungbrett bei Vortäuschen angeblich gemeinsamer Ziele missbrauchen.