Große Sorge über die Preisentwicklung für Auswärtskarten

FPMGDie letzten Tage waren geprägt vom närrischen Treiben und eigentlich ist am Aschermittwoch ja Schluss mit lustig. Getreu dem Motto wurden wir am letzten Mittwoch über die Eintrittspreise für unser Gastspiel in Wolfsburg informiert. Kartenpreise für die Gäste bis zu 70€, in der Kurve bis zu 50€ haben nicht nur uns vom FPMG die Sprache verschlagen.


Somit reihen wir uns ein in die Diskussionen rund um das Thema Kartenpreise. Am Wochenende die Aktion in Liverpool, Dienstag die BVB-Fans in Stuttgart. Nun dürfen wir uns darüber ärgern, dass wir für WOB einer von drei Mannschaften sind, die einen ordentlichen Topspielzuschlag zahlen müssen. Genauso wie schon beim Spiel in Leverkusen kurz vor Weihnachten erleben wir nun die Schattenseiten des Erfolges.

 

Diese Schattenseite des Erfolges sind genau diese Top-Spielzuschläge. Die gibt es allerdings auch bei uns im BORUSSIA-PARK. Bei uns gibt es gegen Schalke, Köln und Dortmund einen Aufschlag von EUR 10,00, bei Bayern einen von EUR 20,00 pro Ticket. Nun sind es genau diese Vereine - abgesehen von Köln, hier geht es um das lokale Derby - und wir selbst, die immer von diesen Aufschlägen betroffen sind. Die Aktion "Kein Zwanni für einen Steher" mag ihren Zweck erfüllt haben, denn die Stehplatzpreise sind bundesweit unter 20,00 EUR. Übrigens auch in Stuttgart, so dass man die Aktion des Stehplatzblocks der Dortmunder beim kürzlich stattgefundenen Pokalspiel mit einem Fragezeichen versehen kann. Aber bei so vielen mitreisenden Fans wie bei uns reicht das Stehplatzkontingent niemals aus, so dass es um Preise insgesamt für Auswärtsfans geht. Ein Allesfahrer von Schalke, Dortmund, Bayern oder uns im mittleren Alter, der gerne auch mal sitzt, zahlt für eine Auswärtssaison bei durchschnittlichen Topspielzuschlägen von 10,00-20,00 EUR also 170,00-340,00 EUR mehr als ein Anhänger anderer Vereine. Ist das fair?

 

Es kann für uns nur heißen, diese leidigen Topspielzuschläge für Auswärtsfans grundsätzlich zu kritisieren. Eventfans, die gegen Bayern oder Dortmund oder uns nur ein einziges Mal in der Saison das Stadion besuchen zu schröpfen ist natürlich auch nicht okay, aber die treuesten Fans jede zweite Woche in einem anderen Stadion zur Kasse zu bitten ist ziemlich abgeschmackt.

 

In einer solchen Preispolitik mit den Topspielzuschlägen sehen wir fatale Folgen für die Fanszenen in ganz Deutschland, denn gerade der identitätsstiftende Teil der Fanszenen bricht dann irgendwann weg. Allesfahrer wird man ja nicht von heute auf morgen, sondern das sind Leute, die seit Jahren, seit Jahrzehnten ihrem Verein die Treue halten und allen anderen Fans bekannt sind. Wenn diese dann aufgrund der Kartenpreise erst protestieren und dann irgendwann resignieren und fernbleiben, ist das ein nicht wieder gut zu machender Verlust in jeder Fanszene. Es geht hier vermutlich nicht nur darum, dass es sich die Fans nicht leisten können, sondern dass sie es nicht mehr bezahlen wollen. Dass allerdings der angestammte Teil der Allesfahrer, ein so wichtiger Bestandteil der Fanszene wegbricht, dass kann vor allem nicht im Sinne der Gastvereine sein. Hier sollten sich alle Vereine einmal überlegen, wie ihr Auswärtspublikum aussehen soll...

 

Bei solchen Preisen werden sich sich viele bald das Erlebnis "Live im Stadion" nicht mehr bezahlen wollen oder vielleicht auch nicht mehr leisten können. Fußball ist aber mehr als ein Spiel um Millionen von Euro. Fußball ist für uns Fans ein reales soziales Netzwerk mit vielen Werten, die wir untereinander weitergeben und dafür sorgen, dass wir leidenschaftlich unsere Borussia leben. Der Fußball hat einen gesellschaftspolitischen Auftrag. Dieser scheint jedoch durch Geldgier immer weiter aus dem Blickfeld zu geraten....

 

Die Zyniker unter uns bringen zu dem Thema noch einen ganz anderen Gedanken ins Spiel: SKY braucht noch mehr Abonnenten für den neuen Fernsehvertrag. Warum sollten die Vereine, die von den höheren Fernsehgeldern profitieren wollen, nicht mit hohen Eintrittspreisen für mehr Abonnenten sorgen? Klingt fast schon logisch, oder? Aber solche schrägen Gedanken wird sich ja wohl kein Fußballfunktionär machen...

 

Ich hoffe, es gibt im Fußball noch ein paar Entscheidungsträger, die den gesellschaftspolitischen Wert des ganzen Treibens um das Runde, das ins Eckige muss, im Auge behalten.

 

Das ist für den Erhalt unserer Fankultur lebensnotwendig.

 

Thomas Ludwig
1. Vorsitzender