Einmal bitte mit Karte....

...heißt es in vielen Stadien der Liga. Die obligatorische Bratwurst oder das kühle Blonde kann Fan dann nur mittels einer Bezahlkarte erstehen, die gesondert erworben oder, falls schon vorhanden, zunächst aufgeladen werden muss.

 

Es herrscht kein einheitlicher Standard in Deutschland, meist ist die Karte nur im jeweiligen Stadion oder in ausgewählten Stadien einsetzbar. Manchmal funktioniert das Bezahlen mit dem Geldkartenchip der EC-Karte, und oft reicht das Guthaben gerade nicht aus für das nächste Bierchen. Der ganze Blues ist uns im BORUSSIA-PARK erspart geblieben, denn die Borussia selbst wollte auch mit dem Umzug vom Bökelberg keine Bezahlkarten einführen. Der FPMG Supporters Club musste im Arbeitskreis Stadion, der viele Fanbedürfnisse mit in den BORUSSIA-PARK einbringen konnte, also gar nicht erst aktiv werden. Dass man dem unbeliebten Plastik auch positive Aspekte abgewinnen kann, seht ihr im folgenden Beitrag der PRO-Seite:

 

 

 

PRO


Als ich mit meiner Tochter, die damals 6 Jahre alt war, zum ersten Mal ins Stadion gegangen bin und mein Bargeld knapp wurde, meinte sie zu mir: „Papa, zahl doch mit Karte, dann kostet es kein Geld“  :) Ja, das wäre schön und würde meine Argumentation für die Bezahlkarte im Stadion sicher einfacher machen. Aber so ist es leider nicht.


Dabei liegen die Vorteile klar auf der Hand: denn genau auf dieser liegt keine Münze, kein Schein. Kein Bargeld geht durch die Hand desjenigen, der mir meine Bratwurst reicht. Der ganze Vorgang ist hygienischer, und wenn ich mir alleine vorstelle, vor mir haben an dem Schalter angenommen 100 Personen mit Bargeld bezahlt und... nein, eigentlich will ich nicht darüber nachdenken, was da alles am Brötchen oder an der Serviette hängt. Ein bargeldloser Bezahlvorgang ist einfach hygienischer und gesünder. Denn sind wir mal ganz ehrlich: in dem Imbiss können noch so viele Desispender stehen oder Handschuhe verwendet werden. Wenn das Bargeld mit dem Handschuh angefasst wird, dann ist er sinnfrei. Dort, wo Menschen agieren und handeln, sind Keime und Bakterien im Spiel, und ich für meinen Teil möchte mich so weit es geht davor schützen. Aber es gibt noch weitere Vorteile.


Zeit... Zeit ist ein knappes Gut im Stadion, zumindest in der Halbzeitpause, wenn tausende durstige Kehlen zum Getränkestand strömen, um das kühle Nass so schnell wie möglich in die Hand zu bekommen. Getränk ordern, Karte auf den Scanner, Getränk mitnehmen... ab in den Block... alles gut. Kurze Wege, kurze Abwicklung, kein Wartefrust.


Für das Heimstadion sehe ich keine Nachteile, man geht eh öfters hin, man behält die Karte, Restguthaben kann auch beim nächsten Spiel aufgebraucht werden. Die Abwicklung ist einfacher, schneller, hygienischer und genauso anonym wie mit Bargeld. Es werden keine personenbezogenen Daten erhoben und die Verkaufstatistiken liefere ich als Kunde mit Karte ebenso wie mit Bargeld.


Für Auswärtsfans ist das Konzept sicher fragwürdig und wird auch in weniger als der Hälfte der Stadien auch im Gästebereich durchgesetzt. Hier bleibt auch mir nur eins, wie in jedem Stadion: Ich gebe keinen Euro aus. Wenn die DFL aber ein einheitliches System einführt, das in allen Stadien Verwendung findet, dann gibt es keinen Grund, das Kartensystem nicht einzuführen.

 




CONTRA

Dagegen!

So richtig kann ich nicht mehr erinnern, wer als erstes mit diesen leidigen Bezahlkarten in einem Fußballstadion angefangen hat. War es die „Kappenkarte“? Ok, auf jeder Dorfkirmes gab es schon länger den Modus „erst Bons kaufen, dann Bier saufen“, aber das ist eine andere Geschichte.

Bei jeder Aufwärtsfahrt wird vorher gecheckt, ob man noch irgendwo evtl. eine Bezahlkarte des gastgebenden Vereins hat. Meistens findet man die aber erst, wenn man wieder zurück ist… Und dann weiß ich immer noch nicht, ob noch 20 Euro oder 35 Cent drauf sind. Ok, kann man mittlerweile bei den meisten Anbietern im Internet vorher prüfen. Aber wer macht das schon? Im Stadion angekommen stellt Fan sich in die Schlange, um seine Bezahlkarte zu erwerben und / oder aufzuladen, dann in die Reihe, um sich Speisen & Getränke zu holen und nach dem Spiel wieder eine Schlange, um sich die 1,15 € wieder auszahlen zu lassen. Oder man fährt mit der Karte nach Hause, weil „man kommt ja noch mal dahin“. Die Karte aus Kaiserslautern habe ich immer noch, und obwohl andere Vereine dasselbe System benutzen, wollte man mir das Geld nicht auszahlen. Also hat jetzt irgendjemand das Geld, der Verein, die Cateringfirma oder der Hersteller des Bezahlsystems, nur ich hab es nicht.

Wie oft ist es schon passiert, dass jemand an der Kasse steht, seine Bestellung aufgibt, um dann wieder unverrichteter Dinge abzuziehen, weil er entweder gar keine Karte hat, oder zu wenig Geld drauf ist. Sieht man der Karte ja auch nicht an. Aber was ich im Geldbeutel habe, sehe ich schnell. Wenn ich für Freunde noch etwas mitbringen möchte, und sie mir ihre Karte in die Hand drücken, kann es auch passieren, dass zu wenig drauf ist. Drückt er mir einen 10er in die Hand, wissen wir beide, dass es für zwei mindestens reicht. Außerdem kann man eine Bestellung nie mit zwei Karten bezahlen, muss man immer splitten, nervig.

Ich weiß nicht, ob es Statistiken gibt, wie hoch der Betrag ist, der noch auf nicht abgerufenen Guthaben von Bezahlkarte schlummert. Ich behaupte aber mal: es dürfte in etwa in Höhe des Jahresgehaltes von CR7 bewegen, wenn nicht noch mehr. Und am Ende kostet die Karte sogar Pfand, oder das Guthaben verfällt nach einer bestimmten Zeit. Und wenn sich wirklich jemand die Mühe macht, sich den Betrag zurück überweisen zu lassen, dann werden Gebühren fällig. Die Stiftung Warentest hat sich der Sache vor zwei Jahren auch bereits angenommen. Evtl. traut man auch den Tresenkräften nicht und möchte daher, dass kein Bargeld im Umlauf ist, aber das ist nur meine persönliche Meinung.

Als der BORUSSIA-PARK in Planung war, gab es ebenfalls die Diskussion, ob ein Kartensystem in Betracht gezogen werden sollte. Da aber das ganze System schon sehr kostenintensiv ist (Kassen, Lesegeräte, Karten, Software, Server etc.), hat man sich zum Glück in Mönchengladbach dagegen entschieden. In Leverkusen, Mainz und Wolfsburg kann man mit dem Geldkartenchip der EC-Karte bezahlen und hat den Restbetrag zumindest noch auch seiner Karte. Auch ein kontaktloses Bezahlen mit der Kreditkarte würde ich mir gefallen lassen, aber keine individuellen Bezahlsysteme in Fußballstadien.