Fahneschwenken im Block

Unsere heutige PRO- und CONTRA- Thematik erhitzt seit langem die Gemüter. Analog zur Frage des richtigen akustischen Supports scheiden sich auch beim optischen Support die Geister.

 

Für die einen gehört das anhaltende Fahnenmeer zentral im Stimmungsblock dazu, für die anderen ist ein spiel- verlaufunabhängiges Wedeln  einfach nur ein Ärgernis, das die eigene Sicht behindert. Wollen wir beide Seiten nun näher betrachten.

 


PRO

Hört man die verschiedenen Menschen in unserer Fanszene davon erzählen, wie sie ihren ersten Stadionbesuch in Erinnerung haben, hört man sehr oft die gleichen Eindrücke: ,,Mein Blick wanderte die ganze Zeit rüber zur Nordkurve'' oder ,,Ich konnte die Augen nicht von der Kurve ablassen'' sind Sätze, mit denen sich wohl viele Fans identifizieren können.

Woran liegt das wohl? Sicher, die Lautstärke ist beeindruckend, ein generell chaotisches Treiben war besonders am Bökelberg noch vorhanden und faszinierend. Und doch macht wohl auch die Optik einen guten Teil der Faszination Nordkurve aus. Die Tribünen sind, bei allem Respekt vor den Leuten dort, nicht groß unterscheidbar. Die Fankurve aber hat ihr eigenes Erscheinungsbild: Zaunfahnen zeugen von den Strukturen einer Fanszene, Fahnen bestätigen eine lebendige Kurve und Fans teilen mit ihrem Material ihre Meinung zu allerlei Themen mit. Dass ein Fahnenmeer beeindruckend aussieht und Fahnen zu einer Kurve dazu gehören ist also unstrittig. Worüber gibt es also noch Streit?

Das Argument, dass es den Spielern nichts bringt, ist - vorsichtig formuliert - ein äußerst Schwaches. Denn mal ganz abgesehen davon, dass eine farbenfrohe, lebendige Kurve ganz sicher motivierend auf einen Spieler wirken kann, wenn er sie zwischendurch sieht: Würden wir uns an diesem Grundsatz orientieren, dann müssten wir etliche Grundsätze und Handlungen unserer Fankultur in Frage stellen: Bringt es den Spielern was, dass wir sehr viel Wert auf unsere Zaunfahnen legen? Hilft es, dass wir nicht massenhaft das Liedgut anderer Vereine kopieren, sondern auf Originalität achten? Spielen sie besser, weil wir gewisse Werte vertreten, beispielsweise keine Werbung in der Nordkurve akzeptieren? Natürlich nicht. Aber eine Fankultur entwickelt eben auch Eigenheiten, die für sich stehen.

Bliebe da noch das Argument der Sichtbehinderung. Gut, zum Teil ist das nicht von der Hand zu weisen. Natürlich kann es passieren, dass man eine Szene mal nicht sieht, wenn gerade vor einem geschwenkt wird. Und über 90 Minuten durchgehend wäre das sicher nervig. Das kommt ja nun aber auch nicht vor, denn zumindest bei uns in Mönchengladbach nehmen die Gruppen, die für die meisten Fahnen verantwortlich sind, sehr viel Rücksicht: Während des Spiels werden keine Riesenschwenker benutzt, sondern nur kleine und mittlere Fahnen. Auf Doppelhalter wird während des Spiels auch nahezu verzichtet. Bei Standardsituationen wird Rücksicht genommen. Dieser Kompromiss seitens der Gruppen ermöglicht selbst den Leuten hinter ihnen eine weitgehend freie Sicht aufs Spielfeld.

Das Argument, dass die eingeschränkte Sicht durch Fahnen für eine Verschlechterung des Supports sorgt, kann ebenfalls nur als falsch zurückgewiesen werden. Bei Spielen, in denen (wenigstens zeitweise oder sogar komplett) keine einzige Fahne benutzt wurde, ließ sich keine Veränderung in der Hinsicht feststellen. Viel mehr entlarvt diese Tatsache die ,,Fahnenkritik'' als das, was sie oftmals ist: Meckerei von Leuten, die einfach nur ohne Einschränkung (im wahrsten Sinne des Wortes) in Ruhe das Spiel sehen wollen. Dafür sind der Block 16 oder der Gästesteher aber nicht da.

Wir haben in Mönchengladbach den besagten Kompromiss, der die Sichtbehinderung selbst im zentralen Block auf einem Minimum hält. In den anderen Blöcken der Kurve und im Rest des Stadions gibt es keinerlei Einschränkungen in der Hinsicht. Wer sich angesichts dieser Umstände trotzdem über ein angebliches ,,Fahnenproblem'' aufregt, der redet ein Problem herbei, das nicht existiert.

Für eine bunte und lebendige Nordkurve!
Haltet die Fahne hoch, Leute!



CONTRA

Nimm den Lappen runter....

Ich bin so oldschool... ja, ich muss mich da outen... ich fahre tatsächlich ins Stadion, um auch das Spiel zu gucken.

Lachflash vorbei? Ok, dann schreib ich mal weiter. Das reicht sicher nicht als Erklärung, denn mit 90 Minuten Fußball kann man sicher keine 30 Stunden Busfahrt oder Ähnliches erklären. Und ja: das Drumherum, das Miteinander, die Kumpels, Leute usw. .... das alles ist wichtiger als diese 90 Minuten, und doch sind es diese 90 Minuten, die uns eigentlich an diesem Tag im Stadion zusammenbringen. Und ich will das Spiel tatsächlich sehen, die Elf supporten, leiden und feiern. Alles das ist mit einer visuellen Verfolgung des Spielverlaufs verbunden, also zumindest für mich, oldschool halt. Zu Bökelbergzeiten hatte ich immer meine Fahne dabei, 3m x 1,80 m, und es gab Momente zum Schwenken (Aufstellung, Einlauf, Tor, Beginn 2. HZ, Schlusspfiff), aber nie, wirklich nie... einfach so... Denn die Fahne behindert die Sicht, und, wenn man Rücksicht nimmt (das sollte ein vollkommen normales Element des Zusammenlebens sein), lässt man die Fahne eben unten. So habe ich das damals gemacht...

Heute ist Dauerschwenken angesagt... Warum? Fahnen supporten die Mannschaft nicht... Sie sind ein optisches Stilelement. Die Jungs auf dem Rasen haben nix davon, denn Fahnen sind nun mal still. Was bitte hat die Elf auf dem Rasen davon? Sollen die Fahnen zeigen, dass was in der Kurve los ist, den Gegner oder die Gästekurve einschüchtern? Mal ganz ehrlich: Schaut mal in die Süd, wenn da VW-Stadt, Hoppenheim oder Ingolstadt kommen! Die schwenken 90 Minuten. Drum herum stehen 500 Mann, und man hört nichts. Da sieht das schon lächerlich aus. Man kann soviel schwenken, wie man will: der Support wird nicht besser, das Selbstbild vielleicht, aber mehr auch nicht. Und habt ihr euch schon mal nass gemacht, weil gegenüber dauerhaft Fahnen geschwenkt wurden? Sicher nicht.

Ja, ich hatte Frust. Da treffen wir mal wieder (Mainz), und ich sehe das Tor nicht, weil ich mal wieder eine große Fahne vorm Tor hatte. Es mag trivial klingen, aber mir hat am Ende des Spiels was gefehlt. Und ja, ich fahre ins Stadion, um das Spiel dort zu sehen, und nicht, um erst in einer Zusammenfassung zu sehen, wie gewissen Szenen eigentlich entstanden sind, schon gar nicht die Tore.

Ich denke, spätestens jetzt kommt der Lösungsvorschlag... geh auf die Tribüne! Nein, mach ich nicht. Rücksichtnahme ist auch in der Nord möglich. Ich stelle mich ja schon immer in den oberen Bereich, auswärts sowieso, denn die Gästebereiche sind da ja noch kompakter und die Schwenkpflicht da noch ausgeprägter. Es nervt wirklich. Aber vielleicht gibt es ja Argumente für das Dauerschwenken, ich lass mich gerne überzeugen.