Derby retten, oder: Der Ast, auf dem wir sitzen

Nein, um das Verhältnis von Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln steht es mit Blick auf die Fanlager nicht gut. In den letzten Jahren ist schlicht zu viel passiert, wenn beide Teams aufeinander trafen, aber auch zwischen den Begegnungen, hüben wie drüben.

 

Längst geht es nicht mehr allein um die sportliche Rivalität, die uns Fans über Jahrzehnte hinweg stets eine einzigartige Atmosphäre und unvergessene Momente bescherte. Die negativen Begleiterscheinungen nahmen in der jüngsten Vergangenheit zu und führten dazu, dass Anhänger, selbst Vielfahrer, dem Derby fernbleiben. Darüber hinaus stehen die Spieltage beider Mannschaften unter besonderer Beobachtung von Politik und Polizei. Infolgedessen zogen Vorfälle auch bereits Auflagen nach sich. Wir erinnern uns alle nur zu gut an die jeweilige Reduzierung des Gästekontingents auf 5% sowie an die Personalisierung der Eintrittskarten in der vergangenen Saison.


Analog zur Entwicklung der Fanlager beider Seiten entwickelte sich auch das Verhältnis der Fanvertretungen zueinander. Was den ein oder anderen überraschen mag: Es gab zu Beginn der 90er Jahre teilweise gute Kontakte und in manchen Bereichen, bei denen gemeinsame Interessen im Vordergrund standen, durchaus auch Zusammenhalt in der allgemeinen Fanarbeit. Doch all dies ist lange her. Die Kommunikation war dürftig, zwischen dem FPMG Supporters Club e.V. und seinem Kölner Pendant, dem Fan-Projekt 1. FC Köln 1991 e.V. (Fans1991), herrschte nahezu Funkstille.


Mit Beginn der laufenden Saison kam es zu ersten, vorsichtigen Annäherungen, die in einer Einladung nach Köln mündeten. Aus Sorge um den Charakter des Derbys sprang der FPMG Supporters Club über seinen Schatten und folgte der Einladung ins Geißbockheim. Am Dienstag dieser Woche fand nun ein Treffen statt, an dem neben dem FPMG, Fans1991 auch die beiden sozialpädagogischen Fanprojekte, De Kull und das Kölner Fanprojekt, teilnahmen. Es war ein erster Schritt, um Misstrauen abzubauen. Das Treffen war konstruktiv. Man war sich einig, sich zukünftig wieder besser auszutauschen und stimmte inhaltlich vor allem in einem überein: Das Derby in seiner ursprünglichen Form soll erhalten bleiben.


Beide Vereine, Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln, haben sich in der laufenden Saison trotz anderslautender Empfehlungen der Politik gegen eine erneute Reduzierung des Gästekontingents sowie einen personalisierten Verkauf der Eintrittskarten entschieden. Sie haben sich gegen Widerstände durchgesetzt und für uns gekämpft, für den Erhalt des Derbys. Das Gästekontingent von 10% ist allerdings keinesfalls gesichert und hängt entscheidend davon ab, wie wir uns zukünftig verhalten. Jegliches Fehlverhalten stellt das Kontingent in Frage und kann jederzeit zu einer erneuten Reduzierung auf 5% führen. Denkbar ist sogar, dass es eines Tages überhaupt keine Karten mehr bei Hochrisikospielen geben wird.


Wir appellieren daher an ALLE Fans: Passt euer Verhalten den Gesamtumständen an, getreu unserem altbewährten Motto, Stimmung ja, Randale nein! Lasst uns für das Derby kämpfen! Lasst uns zurückkehren zu einer Rivalität, die auf dem Platz ausgetragen wird! Helft alle mit, den Ast nicht abzusägen, auf dem wir alle sitzen! Denn darauf - und das sollte uns allen bewusst sein - darauf warten Politik und Polizei nur!