Mit dem Zweiten

...sieht man besser? Wohl kaum. Ein Spiel live vor Ort ist und bleibt eben etwas ganz anderes. Dennoch werden es sich einige, die sonst zum BORUSSIA-PARK pilgern, wohl auf dem Sofa bequem machen. Gründe gibt es dafür genug: man schafft es nicht rechtzeitig durch den Berufsverkehr oder der Frust über unser Auftreten unter der Woche in Freiburg, und dazu eben die Möglichkeit des freien Empfangs.

 


Wer mit im Schwarzwaldstadion war, dem wird der Elfmeterpfiff gegen uns besonders in Erinnerung bleiben. Das Bild der Saison, ein Bild, das wie kein anderes die Absurdität der aktuellen Handhabung in Sachen Videobeweis symbolisiert. Minuten nach der entscheidenden Szene, als sich das Spiel längst weit weg in der anderen Hälfte befand, plötzlich ein Pfiff. Ohne es sich selbst noch einmal anzuschauen, schnappt sich Schiedsrichter Aytekin sofort den Ball und rennt an den verdutzten Gladbacher und Freiburger Spieler vorbei  und schließlich mutterseelenallein auf das weit entfernte Tor von Yann Sommer zu, um die Pille geschwind auf den Elfmeterpunkt zu legen. Damit muss man erst mal klar kommen.


In der Form macht der Videobeweis den Fußball kaputt. Doch abgesehen davon: die Niederlage an der Dreisam war dennoch verdient. Einmal mehr war der Auftritt unserer Elf pomadig. Auf die schwindenden Kräfte der Jungs von Christian Streich, die nach dem letzten Pflichtspiel einen Tag weniger Erholung hatten, wartete man vergeblich. Im Gegenteil: sie waren einfach galliger, wollten unbedingt gewinnen.


Die schwankenden Auftritte seiner Mannschaft kommentiert Dieter Hecking wie folgt: „Wenn man die Leistung in Freiburg sieht, ist es nicht das, was wir im Vorfeld erwartet haben oder erwarten konnten. Wie schon nach dem Bayernsspiel war das in Wolfsburg, die ersten 20 Minuten, nicht das, was wir uns erhofft haben von Beginn an. Dann hast Du gegen Schalke ein richtig gutes Spiel gemacht, dann kommt Freiburg wieder. Das sind die Dinge, die ich irgendwo weiß einzuschätzen.... Es ist nicht nur die Verletztenliste, aber man darf sie auch nicht komplett außer Acht lassen. Die erste Elf ist immer noch ne Mannschaft, die ein gutes Bundesligaspiel machen kann, und das ist auch das, was mich enttäuscht hat, weil, ich glaube schon, dass man mit der Mannschaft besser hätte spielen können. Trotzdem sind gewisse Abläufe im Moment nicht so da, wie wir sie haben, wenn alle an Bord sind. Darunter leidet ein bisschen was. Nichtsdestotrotz hatten wir, was die Zweikampfführung angeht, zu viele zweite Sieger. Wir haben es nicht verstanden zu erkennen, dass die spielerische Lösung da vielleicht nicht immer gefragt war. Sondern wir hätten unser Spiel auch ein bisschen umstellen können, auf mehr lange Bälle, auf selber auf den zweiten Ball zu gehen. Die Dinge werden wir in Ruhe mit der Mannschaft besprechen, dass, wenn man mal gar nicht ins Spiel kommt, versucht, die Aufgabe mit anderen Mittel zu lösen. Wenn wir das Spiel morgen Abend gewinnen, haben wir 28 Punkte. Dann sind wir mittendrin in dem ganzen Geschehen, wo sich alle treiben.“


Hecking wehrt sich gegen den Vorwurf, dass die Mannschaft keinen richtigen Einsatz zeigt: .“Das kann ich bei meiner Mannschaft komplett ausschließen, das ist auch der total  falsche Ansatz. Dass wir es manchmal nicht im Spieltaktischen, im fußballerischen Bereich lösen, das ist der andere. Daran müssen wir immer wieder arbeiten. Aber an Einsatz und Einstellung, auch wenn die Spieler das vielleicht so formuliert haben, kann ich meiner Mannschaft im seltensten Fall einen Vorwurf machen.“


Unser nächster Gegner, der Hamburger SV, ist für Hecking nicht schwierig einzuschätzen. „Das ist ne Mannschaft, die es mittlerweile versteht, vorne ein gutes Pressing zu spielen. Sie haben in den letzten Spielen gezeigt, dass sie sehr hoch anlaufen, dass sie weggehen, von nur lange Bälle spielen. Gegen Frankfurt haben sie versucht, von hinten heraus Fußball zu spielen. Da sieht man eine Veränderung beim HSV."


Wer es doch nach an MG zum letzten Bundesligaspiel des Jahres schaffen sollte: das FanHaus öffnet um 16 Uhr seine Pforten. DJ Micha sorgt für die musikalische Untermalung. Übrigens. Wie jedes Jahr vor Weihnachten werden auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Borussenfanclubs kurz vor der Partie auf dem heiligen Rasen geehrt. Auch das sieht man nicht im Zweiten.